Chemie-Tarifrunde 2019

„Es bleibt nicht mehr viel Zeit für das Familienleben!“

„Wie gut passt deine Arbeitszeit zu deiner Lebenssituation?“ und „Wo würdest du dir mehr Freiheiten bei der Gestaltung deiner Arbeitszeit wünschen?“ Mit diesen beiden Fragen ging die Miniumfrage per Messenger für die Chemiebeschäftigten in die zweite Runde. Die Resonanz war groß und gibt interessante Einblicke in die Situation der Betriebe und die Wünsche der Beschäftigten.

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18.04.2019
  • Von: David-Vincent Bollmann
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Mehr Freizeit und mehr Flexibilität waren die Hauptwünsche der Messenger-Abonnenten. Doch der Weg dahin beschäftigt die Meisten. Pauschale Aussagen lassen sich nur schwer treffen. Es müsse beispielsweise leichter sein, mit der Führungskraft über das Thema Arbeitszeit zu reden. Je nach Lebenssituationen sollte die Möglichkeit bestehen, seine Arbeitszeit spontaner, unbürokratischer und flexibler anzupassen. Sei es wegen der Pflege von Angehörigen, Betreuung der Kinder oder der Partnerschaft. Die Familie hat für alle einen hohen Stellenwert. „In der Regel bin ich um 17 Uhr zu Hause, da bleibt nicht mehr viel Zeit für das Familienleben“, schrieb ein Beschäftigter. Ein oft geäußerter Wunsch ist eine bessere Vereinbarkeit durch mobiles Arbeiten.

Doch wie sieht es mit Schichtarbeit aus? Die Wochenenden sind rar und die Tage zum Erholen auch. „Man kann sein Privatleben nicht mehr organisieren, ohne den Schichtplan zur Hand zu haben“, schrieb jemand. Viele gaben an, die Zeit reiche nur für ein Hobby: die „Familie“.

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Oft sind die Schichten laut Antworten zu gering besetzt. Ein Mitarbeiter habe Urlaub, der andere sei krank, insofern würden auch andere Kolleginnen und Kollegen keinen Urlaub bekommen. Und dürften auf keinen Fall krank werden.

Der oft zu knapp bemessene Personalschlüssel spielt nicht nur „auf Schicht“ eine Rolle. Tätigkeiten müssten nicht zwangsläufig von einer einzelnen Person erledigt werden. Viele Beschäftigte haben hier Verbesserungen gefordert.

Die Bereitschaft sich fort- und weiterzubilden ist groß. Die Antworten zeigen, wie viel Kraft und Zeit in die Qualifizierung gesteckt wird: „Das Studium in Teilzeit ist mit einer 37,5-Stunden-Woche echt kräftezehrend.“ Am Ende gebe man Schweiß, Praxis-Know-how und erlerntes Wissen dem Unternehmen. Doch statt eines Entgegenkommens in der Zeit der Weiterbildung ist man immer noch auf den guten Willen der Vorgesetzten angewiesen. Auch hier spielt Zeit wieder eine große Rolle. Denn die Zeit zwischen Familie, Arbeit und Lernen einzuteilen, ist ein großer organisatorischer Aufwand – bei dem die Familie und das Lernen meist den Kürzeren ziehen. Der Job sollte keine Hürde darstellen, sich persönlich weiterzuentwickeln und gleichzeitig dem demografischen Wandel etwas entgegenzusetzen.

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Einige plädieren in ihren Antworten auch für bessere Homeoffice-Regelungen oder für mehr mobiles Arbeiten. Andere sehen in flexibleren Arbeitszeiten die passende Lösung. Alles in allem sprechen sich fast alle für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben aus.

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